IAM und PAM für Kliniken, Kostenträger und Gesundheits-IT
Patientendaten gehören zu den am strengsten geschützten Daten überhaupt – und müssen im Behandlungsablauf trotzdem sofort verfügbar sein. Wir strukturieren Identitäten und Berechtigungen so, dass beides zusammengeht: Arbeitsfähigkeit ab dem ersten Dienst und ein nachvollziehbarer Zugriff auf jede Akte.
Der Mehrwert für Einrichtungen im Gesundheitswesen
Der regulatorische Rahmen trifft die Berechtigungssteuerung direkt
Krankenhäuser sind seit dem 1. Januar 2022 nach § 75c SGB V verpflichtet, ihre informationstechnischen Systeme nach dem Stand der Technik abzusichern; der branchenspezifische Sicherheitsstandard B3S für die medizinische Versorgung gilt dabei als anerkannter Weg, diese Pflicht zu erfüllen. Häuser ab 30.000 vollstationären Fällen im Jahr gelten zusätzlich als Kritische Infrastruktur und schulden dem BSI regelmäßige Nachweise sowie den Einsatz von Systemen zur Angriffserkennung. NIS-2 und das deutsche Umsetzungsgesetz erweitern den Kreis der betroffenen Einrichtungen im Sektor Gesundheit über die klassischen KRITIS-Schwellen hinaus.
Parallel dazu wirkt der Datenschutz: Gesundheitsdaten sind nach Art. 9 DSGVO besonders geschützt, ihre Verarbeitung ist an einen engen Zweck gebunden. Der Zugriff auf eine Patientenakte muss also an den Behandlungszusammenhang gekoppelt und im Zweifel belegbar sein. Aufsicht, B3S-Prüfung und Datenschutzkontrolle stellen am Ende dieselbe Frage: Wer durfte wann auf welche Daten zugreifen, und woraus ergab sich diese Berechtigung?
Warum Berechtigungen im Klinikbetrieb schwerer zu führen sind
Die Personalstruktur einer Klinik bewegt sich in kurzen Abständen. Ärztinnen und Ärzte in Weiterbildung rotieren zwischen Fachabteilungen, Pflegekräfte springen zwischen Stationen, dazu kommen Honorarkräfte, Studierende im Praktischen Jahr, Personal aus Zeitarbeit und Fremdfirmen für Reinigung, Medizintechnik und IT. Ein Berechtigungsmodell, das jeden dieser Wechsel als Einzelfall behandelt, kommt im Schichtbetrieb nicht hinterher – und was nicht hinterherkommt, wird im Stationsalltag umgangen: über eine Sammelkennung am Stationsrechner oder über eine Anmeldung, die von der Kollegin übernommen wird.
Wir bauen das Modell deshalb um die Rotation herum. Rollen werden aus Fachabteilung, Funktion und Standort abgeleitet und über das Personal- und Dienstplansystem versorgt, sodass ein Wechsel Berechtigungen sowohl hinzufügt als auch abzieht. Das Provisioning – die automatische Einrichtung der Konten in den Zielsystemen – läuft aus derselben Quelle, damit der erste Dienst nicht auf ein Ticket wartet. Für die wiederkehrende Rezertifizierung entscheidet die Abteilungsleitung über die Rechte ihres eigenen Personals, nicht eine zentrale Liste ohne fachlichen Bezug.
Notfallzugriff, Administratoren und Medizintechnik
In der Akutversorgung muss der Zugriff auf eine Akte auch dann möglich sein, wenn die reguläre Zuständigkeit fehlt. Ein Berechtigungskonzept, das diesen Fall nicht vorsieht, erzeugt dauerhaft weit gefasste Rechte für alle. Wir richten stattdessen einen definierten Notfallzugriff ein: unmittelbar auslösbar, vollständig protokolliert und nachgelagert geprüft. Dieselbe Logik gilt für administrative Zugänge zu KIS, Archiv und Medizintechniknetz sowie für die Fernwartung durch Gerätehersteller. Über Privileged Access Management werden diese Zugänge auf Anforderung und befristet vergeben, die Session wird aufgezeichnet und das Passwort bleibt im System hinterlegt statt bei der einzelnen Person. Für Zugänge, die nur zeitweise gebraucht werden, ist Just-in-Time-Zugriff der wirksamste Hebel: Rechte, die zwischen zwei Einsätzen nicht bestehen, können in dieser Zeit auch nicht missbraucht werden.
Von der Bestandsaufnahme zum tragfähigen Berechtigungsmodell
Ausgangslage
In Kliniken entstehen Berechtigungen entlang des Versorgungsauftrags: Eine neue Kraft muss zum Dienstbeginn arbeiten können, also wird ein Zugang eingerichtet, der eher zu viel als zu wenig umfasst. Beim Wechsel in eine andere Fachabteilung kommen Rechte hinzu, die alten bleiben bestehen. Über mehrere Rotationen sammelt sich so ein Berechtigungsprofil an, das mit der aktuellen Aufgabe wenig zu tun hat – und im Krankenhausinformationssystem den Zugriff auf Patientenakten außerhalb der eigenen Zuständigkeit einschließt.
Unser Vorgehen
Wir setzen an den Systemen an, in denen Gesundheitsdaten liegen, und arbeiten uns von dort zur Struktur vor: • Schutzbedarf und Zugriffswege der zentralen Anwendungen erheben (KIS, Archiv, Labor- und Radiologiesysteme, Verwaltung), • ein Rollenmodell entlang Fachabteilung, Funktion und Standort entwerfen, das Rotationen als Regelfall behandelt, • Personal- und Dienstplandaten als führende Quelle anbinden, damit Eintritt, Wechsel und Austritt automatisch wirken, • Notfallzugriff als geregelten Weg definieren, mit Protokollierung und nachgelagerter Prüfung, • administrative Zugänge und Fernwartung durch Gerätehersteller über eine kontrollierte Strecke führen, • die Maßnahmen nach Risiko und Umsetzbarkeit priorisieren und mit Geschäftsführung, Datenschutz und Personalvertretung abstimmen.
Woran Sie den Erfolg messen
Aussagekräftig sind die Größen, die im Klinikalltag und in der Prüfung zugleich zählen: Wie viele Tage vergehen zwischen Dienstantritt und vollständiger Arbeitsfähigkeit? Wie schnell sind Zugriffe nach einem Abteilungswechsel oder Austritt entzogen? Wie viele aktive Konten lassen sich keiner aktuell beschäftigten Person zuordnen? Und wie viele Notfallzugriffe wurden im Berichtszeitraum ausgelöst, geprüft und dokumentiert? Diese Zahlen beantworten zugleich die Fragen, die Aufsicht und Datenschutzbeauftragte stellen.
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